Begrüßung Hans-Jörg Ott

Liebe Gemeinden,

mein Name ist Hans-Jörg Ott und ich bin evangelischer Pfarrer der Kirchengemeinde Oberndorf. Ich freue mich, dass ich seit einigen Monaten als Vakanz Vertreter auch in Ihren Kirchengemeinden meinen Dienst tun darf.

Ich grüße Sie mit dem Monatsspruch für den sommerlichen Juli:

Der Engel des Herrn rührte Elia an und sprach: Steh auf und iss! Denn du hast einen weiten Weg vor dir! (1. Könige 19,7)

Für mich ist dieser Vers eine Verheißung, der Mut machen will für die Zukunft, denn auch wir sollen aufstehen, Kräfte sammeln und uns auf einen weiten Weg machen.

In den letzten Wochen ging es uns wie Elia: wir waren in einer Wüste der Abgeschlossenheit, fast nichts ging mehr, Kontakte waren kaum möglich. Nicht wenige waren und sind verzweifelt, traurig und deprimiert.

So ging es auch Elia. Er ging allein in die Wüste. Die Wüste, der Ort der Einsamkeit, der Ort, wo Leben nicht wachsen kann. Im Weltbild des Alten Testaments einer der lebensbedrohenden, lebensfeindlichen Gebiete der Welt. In dieser Einsamkeit lässt sich Elia nieder und gibt auf – er gibt sein Leben auf und bittet Gott, es ihm zu nehmen. Doch Gott hat andere Pläne. Ein Engel des Herrn weckt Elia aus seinem Schlaf und fordert ihn auf: Steh auf und iss! Dort, mitten in der Wüste, bekommt Elia das, was er zum Leben braucht. Er findet einen Krug Wasser und geröstetes Brot neben sich liegen. Elia isst und legt sich wieder schlafen. Es ist eine tiefe Erschöpfung. Doch der Engel kommt zum zweiten Mal. Er weckt Elia erneut: Steh auf und iss! Denn du hast einen weiten Weg vor dir.

In der Bibel ist die Wüste nicht immer als lebensbedrohlich dargestellt. Ganz im Gegenteil. Nicht selten ist es in der Stille, Leere und Einsamkeit, dass Menschen Begegnungen mit Gott haben, die ihrem Leben neue Hoffnung und Kraft geben. So auch bei Elia. Er hatte aufgegeben, doch Gott hatte ihn noch lange nicht aufgegeben. Der Weg in die Wüste war der Weg zu seiner weiteren Bestimmung. Es war in der Wüste, dass er neue Kraft zum Leben bekam, dass ihm eine Perspektive gezeigt wurde. Doch bis Elia in diese Bestimmung und Perspektive eintreten konnte, musste etwas anderes passieren: Er brauchte Zeit – Zeit zum Schlafen, Zeit in der Stille und Nahrung für seinen Körper. Gott bereitet Elia vor, indem er ihm menschliche Grundbedürfnisse zur Verfügung stellt.

Vielleicht ist auch jetzt eine Wüstenzeit, in der wir in der Stille und Einsamkeit auf Gott warten können. Vielleicht ist es für einige von uns an der Zeit, nicht mehr auf der Flucht zu sein, sondern sich versorgen zu lassen – da und genau dann, wenn uns Unsicherheiten und Dürre umgeben. Vielleicht ist es Zeit, aufzuwachen, um zu essen und sich zu stärken. Und vielleicht ist es aber auch an der Zeit, aufzustehen und loszugehen. Die Wüste ist nicht der Ort, wo alles endet. Bei Elia ist sie der Ort, wo der Grundbaustein für Neues gelegt wird. Denn da, wo wir aufgeben wollen, da hat Gott einen anderen Plan.

Ich bin davon überzeugt, dass Gott uns genauso umsorgt und um uns bemüht ist wie damals bei Elia. Auch wir haben sicherlich noch einen weiten Weg vor uns. Auch wenn es erfreuliche Lockerungen gibt, sind wir noch weit von dem alltäglichen Leben entfernt wie wir es im Februar noch kannten. Allerdings geht es nicht nur um ganz persönliche Aufbrüche, sondern auch unsere Kirchengemeinden Oberndorf, Albshausen und Steindorf sind herausgefordert, sich auf einen neuen Weg zu machen. Wir werden Sie im nächsten Gemeindebrief und einer Gemeindeversammlung über Möglichkeiten des weiteren Weges informieren.

Ich freue mich auf die Herausforderungen und Chancen – und stehe gerne auf, um neue Wege mit Ihnen zu gehen.

Herzliche Grüße Hans-Jörg Ott

Permanentlink zu diesem Beitrag: https://kgas.de/2020/07/gottesdienst-termine/